Poomse

Die Poomse (Bewegungsformen) stellen verschiedene Kampfsituationen gegen imaginäre Angreifer dar. Von alters her werden Poomse dazu benutzt, Techniken zu erlernen, sie zu Abwehr und Angriff miteinander zu verbinden und dabei gleichzeitig die Bewegungen und die Atmung miteinander abzustimmen. Dabei wird dem Taekwondoin auch die Gelegenheit gegeben, zu lernen, wie er bei schnellen Bewegungen das Gleichgewicht erhalten und Gewichtsverlagerungen ausnutzen kann. Mit Taeguk (übers.: Größe und Ewigkeit - steht für den Ursprung allen Seins) hat man die acht grundlegenden Formen des Taekwondo bezeichnet, die von der WTF besonders propagiert werden und die in der ganzen Welt Gültigkeit haben. Gleichzeitig werden acht Grundgedanken der ostasiatischen Philosophie aus dem Taeguk entwickelt: die acht Zeichen der Macht, auf deren Grundlinien wir uns bei der Taeguk-Poomse bewegen.

Die 8 Schülerformen

1. Taeguk il Chang (8. Kup)

  • il-chang1
  • il-chang2
Himmel und Licht. Vom Himmel kommt der Regen und das Licht der Sonne, damit alles wachsen und gedeihen kann. Mit Himmel wird die Schöpfung symbolisiert, der Anfang des Seins.

2. Taeguk ie Chang (7. Kup)

  • ih-chang1
  • ih-chang2
Frohsinn und Fröhlichkeit. In diesem Zustand verfügt der Mensch über eine gefestigte innere Kraft, die ihn ausgeglichen und ruhig erscheinen läßt. Demgemäß soll diese Poomse ruhig, aber kraftvoll ausgeführt werden.

3. Taeguk sam Chang (6. Kup)

  • sam-chang1
  • sam-chang2
Feuer. Damit ist Wärme, Licht, Hoffnung und Zuversicht verbunden. Die Bewegungen sollen dynamisch und leidenschaftlich ausgeführt werden.

4. Taeguk sa Chang (5. Kup)

  • sa-chang1
  • sa-chang2
Donner und Blitz. Auch angesichts von Gefahr und Furcht sollen wir ruhig und besonnen handeln. Die Bewegungen sollen kraftvoll und zielstrebig sein.

5. Taeguk oh Chang (4. Kup)

  • oh-chang1
  • oh-chang2
Wind. Der Sturm ist kraftvoll und zerstört; der Wind ist aber auch sanft, verteilt den Samen der Saat und zerstreut die Wolken. Die Bewegungen verlaufen ruhig und gleichmäßig, aber auch kraftvoll und stürmisch.

6. Taeguk yuk Chang (3. Kup)

  • yuk-chang1
  • yuk-chang2
Wasser. Wie das Wasser, das immer bergab fließt, fließen die Bewegungen dieser Poomse ineinander über, durch Fußtritte unterbrochen.

7. Taeguk chil Chang (2. Kup)

  • chil-chang1
  • chil-chang2
Berg. Ein Berg steht unverrückbar fest. Der Mensch muß die Standfestigkeit eines Berges besitzen. Das heißt, wir sollen nicht überhastet handeln. Obwohl schnelle Aktionen im Taekwondo schön aussehen, sollten wir wissen, wann und wo ein Halt geboten ist.

8. Taeguk pal Chang (1. Kup)

  • pal-chang1
  • pal-chang2
Erde. Die Erde ist die Mutter des Lebens. Sie bringt nicht nur Leben hervor, sondern sie sorgt auch dafür, daß es erhalten und entwickelt wird. Diese Poomse ist die letzte Übungsrunde des Schülers, eine letzte Hürde auf dem Weg zum Meistergrad. Hier werden die grundlegenden Bewegungsformen aufgefrischt und nochmals überprüft.

Die 9 Meisterformen

Koryo
Korea
Form 1.Dan
Koryo ist der Name einer alten Dynastie (918 bis 1392 n.Chr.) nach der das heutige Korea benannt ist. Das kulturelle Erbe aus dieser Zeit ist sehr bedeutend. Deshalb entspricht das Diagramm, auf dessen Linien die Bewegungen ablaufen, dem Schriftzeichen für "der Gelehrte".
Kumgang
Diamant
Form 2.Dan
Das Wort selbst bedeutet: zu fest, um zerbrochen zu werden. Für buddhistische Mönche ist es aber auch die Bezeichnung für die Überwindung seelischer Schmerzen durch Weisheit und Tugend. Auch der schönste Berg Koreas wird Kumgang-San genannt. Die Bewegungsrichtungen folgen daher dem Schriftzeichen für "der Berg". Entsprechend den Bedeutungen von Kumgang sollen die Bewegungen geistige Kraft und die Härte eines Diamanten ausdrücken.
Taebaek
Heiliger Berg
Form 3.Dan
Korea wurde der Sage nach vor 4100 Jahren auf dem Berg Baeku gegründet. Dieser Berg trug früher den Namen Taebaek; er ist der größte und erhabenste Berg Koreas. Diese Poomse demonstriert nicht nur Schnelligkeit und Genauigkeit, sondern auch Strenge und Entschlossenheit.
Pyongwon
Ebene
Form 4.Dan
Eine große und offene Ebene erstreckt sich endlos und gibt dem Betrachter das Gefühl majestätischer Freiheit und grenzenloser Weite. Das Diagramm verläuft dementsprechend auf einer Linie.
Sipjin
Zehn (Dezimalsystem)
Form 5.Dan
Das Zehnersystem ist eine ständige numerische Wiederholung des Wertes zehn, einhundert, eintausend, eine Million, eine Billion.... Damit ist die Zahl 10 Symbol für grenzenloses Wachstum. Das Wachstum ist aber nur bei einer systematischen und geregelten Ordnung wirkungsvoll. Das Diagramm dieser Poomse ist das Schriftzeichen für "10". Die Bewegungen sind abwechslungsreich, aber geordnet und diszipliniert.
Jitae
Erde
Form 6.Dan
Gemäß dem fernöstlichen Glauben kommt alles Leben aus der Erde hervor und kehrt in sie zurück. Lebewesen und Naturphänomene ändern und formen sie fortlaufend. Poomse Jitae vereint diese Eigenschaften der Erde in ihren Bewegungen.
Chonkwon
Himmel
Form 7.Dan
In alter Zeit wurde der Himmel als Herrscher über das Universum verehrt. Poomse Chonkwon ist durchdrungen von Bewegungen, die voll Erhabenheit und Vitalität sind, wie ein in den Himmel aufsteigender Adler.
Hansu
Wasser
Form 8.Dan
Wasser wird als der Ursprung des Lebens angesehen. Die Eigenschaften des Wassers - ruhig, wild, flüssig, anpassungsfähig - sind auch typisch für die Bewegungen bei dieser Poomse.
Ilyo
Geist und Einheit
Form 9.Dan
Im Buddhismus bezeichnet man den Zustand der geistigen Ausbildung, in dem Geist und Körper zu einer Einheit verschmelzen, Ilyo. Die höchste Aufgabe des Taekwondoin ist es, diesen Zustand Ilyo zu suchen. Das Ziel ist eine Disziplin, bei der man mit konzentrierter Aufmerksamkeit bei jeder Bewegung alle weltlichen Gedanken und Dinge abschüttelt.